Workshops für Blinde und Sehbehinderte

Gemeinsam zusammenkommen und sich austauschen, mehr erfahren und Wege kennenlernen, die man zuvor noch nicht gegangen ist. Das und noch viel mehr ermöglichen Workshops, Seminare und Begegnungsgelegenheiten.

Fünf Frauen sind in einem großen Raum. Zwei stehen etwas weiter weg, drei Personen sind nah beieinander. Sie tragen Clownsnasen und zwei von ihnen Schlafbrillen. Drei Frauen haben eine Pool-Nudel in der Hand.

Inklusives Beieinander - die Pool-Nudel ersetzt den Blindenlangstock.

Clowns – hören, fühlen, spielen!

Wenn man den Raum betritt, in dem der BVN‑Workshop „Clowns – hören, fühlen, spielen!“ stattfindet, spürt man sofort: Hier entsteht etwas Besonderes. Menschen mit und ohne Sehvermögen kommen zusammen, um sich auf eine Kunstform einzulassen, die viel mehr ist als Spiel – sie ist Begegnung, Vertrauen, Mut und ein gemeinsames Sich‑Einlassen auf das Unbekannte.

Ermöglicht wird dieses Projekt durch die Förderung der Aktion Mensch, die den inklusiven Ansatz und die Weiterentwicklung barrierefreier Kulturarbeit unterstützt. Dank dieser Förderung kann der BVN neue Wege gehen, um künstlerische Teilhabe für alle Menschen erfahrbar zu machen.

Ein Kurs, der Vielfalt trägt

Die Teilnehmenden könnten unterschiedlicher kaum sein. Einige bringen körperliche oder psychische Herausforderungen mit, andere haben Vorerfahrung im Clownspiel, wieder andere stehen zum ersten Mal auf einer Bühne. Doch alle eint der Wunsch, sich auszuprobieren. Patricia Harlos, Clownisse und Theaterpädagogin, führt die Gruppe mit großer Ruhe und einem feinen Gespür für Dynamiken durch die fünf Seminarwochenenden. Schon im ersten Treffen zeigte sich, wie schnell die Gruppe zusammenwächst. „Wir waren eine kleine Fürsorge‑Gemeinschaft“, berichtet Pat. Fahrgemeinschaften bildeten sich spontan, blinde Teilnehmende wurden selbstverständlich begleitet, und die Sehenden lernten, wie gute Hilfestellung funktioniert, ohne übergriffig zu werden. Der Inklusionsgedanke trägt – und er trägt weit.

Clownerie ohne Augen – geht das?

Ja, und wie! Der Kurs erforscht, wie Clownerie auch für blinde Spieler*innen und blindes Publikum erlebbar wird. Sprache, Rhythmus, Geräusche, Berührung und Raumgefühl werden zu zentralen Elementen. Sehende Teilnehmende tragen phasenweise Schlafbrillen, um sich auf andere Sinne zu konzentrieren. Für viele ist das eine völlig neue Erfahrung – und ein wichtiger Perspektivwechsel. Ein erfahrener sehender Clown formulierte es so: „In diesem Kurs fliegen mir meine Vorurteile um die Ohren.“

Für blinde Akteurinnen braucht es mehr Platz, mehr Orientierung und mehr Achtsamkeit. Gleichzeitig werden die sehenden Spielerinnen mutiger und vertrauen sich mit Schlafbrille der Führung der blinden Teilnehmenden an. Ein Perspektivwechsel, der nachhaltig wirkt.

Der Workshop zeigt eindrucksvoll, wie inklusives Arbeiten gelingen kann: mit Mut, Humor, Achtsamkeit und der Bereitschaft, sich aufeinander einzulassen.

Eine Frau und ein Mann mit Clownsnasen stehen in einem Hula-Reifen und gehen durch einen großen Raum.

Verschiedene Übungen beim Clown-Workshop

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