Ein Erlebnis, das die Perspektive verändert

eine Gruppe an Menschen mit vielen Kindern steht an einem LKW mit der Aufschrift Erlebniskiste. Einige Personen tragen Schlafmasken.

Es war viel los an dem Dunkelmobil/Erlebniskiste. · BVN

Beim Gauerbach‑Fest in Lingen am vergangenen Wochenende, 5. und 6. September konnten Besuchende im Dunkelmobil einmal selbst erleben, wie es ist, wenn man sich ohne Augenlicht zurechtfinden muss. Im Inneren dieses Transporters herrschte völlige Dunkelheit. Kein Restlicht, keine Chance, schnell das Handy zu zücken – stattdessen waren plötzlich die Hände, das Gehör, der Geruch und ein gutes Gefühl gefragt. In verschiedenen kleinen Stationen lagen Alltagsgegenstände aus Küche, Werkstatt oder Kleiderschrank bereit. Dinge, die man sonst im Vorbeigehen wahrnimmt und erkennt, mussten nun ertastet und erraten werden. Einige standen an einem Stehtisch, auf dem sich Geschirr befand, und fragten sich, was sie denn da gerade in der Hand haben.

Auch der Boden war eine Herausforderung für die Besuchenden, denn dort gab es Schwellen, Unebenheiten und unterschiedliche Untergründe. Diese machten jeden Schritt zu einer bewussten Entscheidung, denn jeder Gang wurde zu einem Moment, in dem man sich konzentrieren musste.

Viele merkten dabei, wie ungewohnt es ist, blind etwas zu ertasten. Ein Gegenstand, den man mit offenen Augen sofort erkennt, fühlt sich im Dunkeln plötzlich fremd an. Und auch die Orientierung funktioniert ohne Sehen ganz anders – manchmal braucht es nur zwei Schritte, um die Richtung zu verlieren.

Trotzdem wurde viel gelacht, geraten und ausprobiert. Gleichzeitig wurde deutlich, wie wichtig Tasten, Hören und Orientierung für blinde und sehbehinderte Menschen im Alltag sind.

Auch außerhalb des Dunkelmobils gab es einiges zu entdecken: Spiele wie „Mensch ärgere dich nicht“, UNO oder Kartenspiele zeigten, dass Spielen selbstverständlich auch ohne Sehen möglich ist. Außerdem konnten die Besuchenden die Brailleschrift kennenlernen und selbst an einer Punktschriftmaschine schreiben.

Die Erlebniskiste hat auf eine sehr anschauliche und unkomplizierte Weise gezeigt, wie anders die Welt wirkt, wenn man sich auf andere Sinne verlassen muss. Der Besuch beim Gauerbach‑Fest war damit nicht nur spannend, sondern bot viele gute Gespräche und neue Eindrücke – und vielleicht auch ein bisschen mehr Verständnis für das Leben mit Blindheit und Sehbehinderung.

Ein herzliches Dankeschön an alle, die sich getraut haben, in die Dunkelheit zu gehen – und dabei vielleicht gemerkt haben, dass die eigenen Hände manchmal mehr sehen, als man denkt.

Text von Karin Lonnemann und Moritz Krüger

Zurück