Aus Trümmern ein Schloss bauen

Viele Buchexemplare von Dörte Maack liegen auf einem Verkaufstisch bereit, daneben steht eine weiße Orchidee. Im Hintergrund steht ein roter Flügel und verschiedene Gemälde hängen an den Wänden.

Was bedeutet es, blind zu werden?

Die Erfahrungen in dem Prozess, den sie an ihre Belastungsgrenzen gebracht hat, teilt Dörte Maack in ihrem Buch. Am 2. Mai 2023 fand anlässlich des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung ein Impulsvortrag statt, in welchem die Autorin Dörte Maack in ihrer lebendigen, rhetorisch bewanderten und humoristischen Art von einer ganzen Gefühlspalette berichtete. Die ausverkaufte Veranstaltung fand in der Kunstsammlung von Henning J. Claassen in Lüneburg statt, organisiert von der Region Nord-Ost. Der Vortrag wurde eingebettet in sanfte Klänge von einem musikalischen Duo aus Cello und Fagott und schloss mit einer Kunstführung mit Audiodeskription.

Der Kampf mit dem Erblinden

Dörte Maack lud zu Beginn Ihres Vortrags das Publikum ein, einmal für sie zu summen, damit sie die Menge einmal hören kann. Erst summten alle, dann summten die Frauen, danach die Männer. Die Stimmung war mit einem Mal locker und erfrischt. Frau Maack berichtete voller Leidenschaft von ihrer Jugend, ihrer Ausbildung als Zirkus-Akrobatin, ihrer Zeit in einem artistischen Ensemble. Und dann berichtete sie davon, wie sie mit 25 Jahren erblindete. Retinitis Pigmentosa – so lautete die Diagnose. Dörte Maack musste sich umorientieren, zwangsläufig, doch nicht ohne Kampf. Sie reiste bis nach China, um sich drei Monate lang in einer speziellen Augenklinik behandeln zu lassen. Die Krankheit konnte etwas hinausgezögert werden, aber sie blieb unheilbar. Sie musste lernen, damit umzugehen, neue Wege zu finden und Kraft zu ziehen aus neuen Träumen. Ein steiniger Weg, den sie bildreich an dem kühlen Mai-Abend umschrieb. Die einstige Trapezkünstlerin musste am eigenen Leib erfahren, dass alle Menschen fallen können, weil wir Menschen und damit verletzlich sind.

Was hat ihr in der Zeit geholfen?

Menschen, die zuhören, die da sind, und kleine Gesten. Dörte Maack kam an einen Punkt, an dem sie sich Hilfe suchen konnte, an dem sie bereit dafür war. In der Blinden- und Sehbehindertenberatung fand sie neue Hoffnung, als ihr gesagt wurde: „Als Blinde kannst du eigentlich fast alles machen.“ Neue Motivation, neue Ziele und eine wichtige Erkenntnis: „Du kannst kein Problem lösen, das du nicht bereit bist zu haben.“

Und so fand Dörte Maack aus dem Tief des Verlustes hin zu einem erfüllten, glücklichen Leben, mittlerweile als erfolgreicher Coach und Moderatorin. Ihre beiden Kinder hat sie noch nie gesehen, aber sie weiß auch so, dass es die schönsten Kinder der Welt sind. Was hat ihr rückblickend geholfen? Es waren vor allem die Menschen um sie herum: die liebende Familie, Freunde, die mit überlegen, wie man zu neuen Lösungen kommt, die Selbsthilfe, die wichtige Erfahrungen und praktische Ratschläge teilt.

Wir alle sind ein leuchtender Stern, von Geburt an, und dieses Leuchten, diesen inneren Wert, den behalten wir, egal was das Leben so bringt. So sollte es sein und mit der Einstellung ist Inklusion auch keine Utopie, sondern selbstverständlich.

 

Das Buch „Wie man aus Trümmern ein Schloss baut. Die Geschichte meines Erblindens und wie ich wieder Lebensfreude fand“ von Dörte Maack ist 2020 im Patmos-Verlag erschienen.

 

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